Frankreich im Brennnesselkrieg

Die spinnen, die Gallier

 

Das Brennnesseljauche-Verbot in Frankreich

2002 wurde in Frankreich ein Gesetz erlassen (Loi d’Orientation Agricole), das den Verkauf von Brennnesselprodukten für die landwirtschaftliche Anwendung verbot. 2006 wurde dann auch Herstellung und Besitz von Brennnesseljauche sowie jede Verbreitung von Informationen über die Brennnessel strafbar.

In der Praxis bedeutete dies, dass kein Hobbygärtner mehr Pflanzenjauche herstellen durfte und auch, dass die Medien nicht mehr über die hervorragende Wirkung der Brennnessel in der Landwirtschaft berichten durften. Die Brennnesseljauche war nun nicht mehr legaler als der Handel mit harten Drogen. Wurde man erwischt oder angezeigt, drohte ein Bussgeld von 75.000 Euro.

Der von den Agrokonzerne angezettelte Krieg gegen alle Vernunft konnte 2011 glücklicherweise abgewendet werden; heute sind «natürliche Präparate aus handwerklicher Fertigung», wie Pflanzenjauche wieder erlaubt.

 

Die Agrokonzerne forderten, dass für die Brennnesseljauche – wie für chemische Spritzmittel auch – eine offizielle Marktzulassung beantragt werden muss. Dazu wären aufwändige und kostspielige Studien nötig, die sich kein Öko-Landwirt, Öko-Winzer oder Hobby-Gärtner leisten kann. Es heisst, man wisse viel zu wenig über die Brennnesseljauche und ihre möglichen Auswirkungen auf die Umwelt oder auch auf Flüsse und Seen. Aus diesem Grunde wurde die Brühe aus der Brennnessel – und mit ihr auch andere traditionelle, seit Urzeiten bewährte landwirtschaftliche Hilfsmittel wie z.B. Schachtelhalm, Beinwell oder Steinmehle vorsorglich verboten.

Chemie statt Brennnesseljauche?

Bio-Bauern und -Gärtner sollen stattdessen auf «zugelassene» synthetische Düngemittel und chemische Spritzmittel umsteigen. Sie sollen also auf Mittel zurückgreifen, die teilweise nur mit Schutzkleidung und nur bei absoluter Windstille ausgebracht werden dürfen, auf Mittel, die niemals in die Hände von Kindern geraten dürfen und deren Leerbehälter nicht einmal in den normalen Müll gegeben werden, sondern als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Das Beispiel zeigt, wie einfach findige Agrochemie-Juristen jahrhunderte alte Methoden über den Gesetzesweg aushebeln können. Brennnesseljauche wird allgemein als «Pflanzenstärkungsmittel» bezeichnet. Mit genügend Mitteln lassen sich Studien finanzieren, die die pharmakologischen Eigenschaften der Pflanze hervorheben, so dass sie in der Folge vom Gesetzgeber als bewilligungspflichtiges Phytopharmazeutikum eingestuft wird.

So haben sich das diese Damen und Herren ausgedacht: Chemische Pestizide, deren Giftigkeit auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt nachgewiesenermassen bekannt ist, dürfen bedenkenlos eingesetzt werden, weil sie zugelassen sind. Die Brennnessel aber, die Menschen seit Jahrhunderten heilt, nährt und in Form von Jauche und Beipflanzung gesunde Lebensmittel produziert, wird verboten, weil sie von einer Interessensgruppe in eine bewilligungspflichtige Kategorie verschoben wurde.

 

Wissenswertes über die Brennnessel und den Brennnessel-Krieg in Frankreich


 


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